top of page

Bolivien: Chancen in einer gespaltenen Nation

  • Martin Zoller
  • vor 7 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

November 22, 2025

ree



Die Wahl des neuen Präsidenten Rodrigo Paz Pereira markiert einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte Boliviens. Nach rund zwanzig Jahren sozialistischer Regierung steht das Land wieder einmal an einer Schwelle: Es bietet sich die Möglichkeit, eine neue Richtung einzuschlagen und sich wirtschaftlich wie gesellschaftlich neu aufzustellen.


Ich lebe und arbeite seit 1994 in enger Verbindung mit Bolivien. Bis ich mich 2018 – aufgrund der zunehmend instabilen politischen Lage – entschloss, nach Panama zu ziehen, habe ich als Hellseher und politischer Analyst das Land, seine Menschen und seine Machtstrukturen intensiv intuitiv analsysiert. Viele der prägenden Persönlichkeiten der bolivianischen Politik habe ich entweder persönlich kennengelernt oder medial analysiert: von Goni über Tuto, Evo, Arce, Jeanine Áñez, Reyes Villa, Mesa, Jonny bis hin zum Vater des aktuellen Präsidenten. Kaum einer der führenden Akteure blieb meinem intuitiven Auge verborgen.


In zahlreichen Publikationen und Videos habe ich über Jahre hinweg meine Analysen und Vorhersagen zu den Bewegungen innerhalb der politischen Landschaft veröffentlicht – oft zu entscheidenden Momenten in dieser dynamischen Geschichte. Besonders markant waren meine Vorhersagen der Staatsstreiche gegen Goni und Mesa zu Beginn der 2000er Jahre.


Mein tiefes Verständnis für die politischen Strömungen Boliviens ermöglichte es mir, auch die Unruhen der Jahre 2019 und 2020 frühzeitig medial zu beleuchten. Interessanterweise befand ich mich während dieser Zeit selbst in Venezuela, mitten in den gewaltsamen Unruhen von Caracas, als Juan Guaidó versuchte, die Regierung zu stürzen.

Die Ereignisse von 2019 und 2020 werden meiner Ansicht nach häufig falsch interpretiert. Wer sie verstehen will, muss die externen Machtinteressen in den Blick nehmen. Ein besonders aufschlussreicher Hinweis kam von Elon Musk, der im Juli 2020 in einem Gespräch erwähnte, er sei „in der Lage, jede Demokratie zu stürzen“. Erinnern wir uns: Konflikte in Bolivien 2019/2020, Elon Musk, Tesla, Lithium, Salzseen von Uyuni... All diese Begriffe stehen in engem Zusammenhang miteinander. Zufall…?!


Viele jener Involvierten, die damals am Sturz von Evo Morales beteiligt waren, betonen bis heute, dies sei ohne äußeren Einfluss geschehen. Doch diese Überzeugung hält einer realistischen Analyse kaum stand. Geschichte hat wiederholt gezeigt: Kein politischer Umsturz – weder in Bolivien noch anderswo – geschieht ohne Unterstützung von außen, gleichgültig, ob er von links oder rechts initiiert wird.Immer dann, wenn es politisch zu Umwälzungen kommt, bewege ich mich seit über 25 Jahren zwischen Südamerika, den USA, Europa, Afrika, Zentralasien und dem Nahen Osten und kann mit gutem Gewissen behaupten: Bolivien bildet keine Ausnahme.


Bolivien ist ein Land mit einer komplexen Identität. Unterschiedliche ethnische Gruppen – Weiße, Indigene und Mestizen – konkurrieren um politischen Einfluss und wirtschaftliche Ressourcen. Diese inneren Gegensätze werden zusätzlich durch die geografische Spaltung verstärkt: Der wirtschaftlich aufstrebende Osten mit Zentren wie Santa Cruz steht im deutlichen Gegensatz zu den traditionelleren, ärmeren Regionen im Westen, etwa La Paz und Cochabamba.


Die Herausforderung, diese Gräben zu überbrücken, ist enorm – und realistisch betrachtet wohl kaum im laufenden oder kommenden Jahrzehnten vollständig zu bewältigen. Die Politik der letzten Jahrzehnte hat das immer wieder gezeigt.Gerade die sozialistischen Regierungen der vergangenen zwanzig Jahre haben, anstatt zur nationalen Einheit beizutragen, die regionalen und ethnischen Spannungen oft noch verschärft.

Ein wiederkehrendes Thema in Gesprächen über Boliviens Zukunft ist die Frage nach der geeigneten Regierungsform. Angesichts der sozialen und ethnischen Unterschiede scheint eine föderale Demokratie ein möglicher Weg, die strukturellen Probleme des Landes zu entschärfen.


Viele Politikwissenschaftler argumentieren, dass eine dezentralisierte Regierungsform Bolivien helfen könnte, die regionalen Bedürfnisse besser zu berücksichtigen und lokale Akteure stärker einzubinden.Aus meiner Sicht könnte eine solche Struktur den unterschiedlichen Ethnien und Regionen ermöglichen, ihre Traditionen, Sprachen und kulturellen Praktiken in den nationalen politischen Prozess einzubringen – ein Schritt, der langfristig zu mehr Stabilität und gesellschaftlichem Frieden führen könnte.

Im Gegensatz dazu hat die liberale Demokratie westlicher Prägung in den letzten drei Jahrzehnten mehrfach bewiesen, dass sie für das gegenwärtige Bolivien nicht geeignet ist, um das Land zusammenzuführen oder allen Bevölkerungsgruppen gerecht zu werden.Diese Realität lässt den Schluss zu, dass die anhaltende gesellschaftliche Spaltung mittelfristig erneut wieder autoritäre Tendenzen begünstigen könnte.Wenn selbst sogenannte etablierte Demokratien wie die USA oder verschiedene europäische Länder zunehmend autoritärer agieren, ist ein solcher Weg auch für Bolivien erneut immer realistischer.


Eine der zentralen Herausforderungen Boliviens liegt in seiner Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen – insbesondere von Erdgas und Mineralien. Diese Abhängigkeit hat die Wirtschaft immer wieder anfällig für Schwankungen gemacht.

Ein wirklicher Neuanfang unter Rodrigo Paz Pereira könnte sich als nachhaltig erweisen, wenn es gelingt, den Fokus von einer rein rohstoffbasierten Ökonomie hin zu diversifizierten Wirtschaftssektoren zu verschieben – etwa durch Förderung von Tourismus. Als Beispiel könnten dafür die Vereinigten Arabischen Emiraten dienen.

Bolivien verfügt über ein immenses, bislang kaum genutztes touristisches Potenzial. Von den beeindruckenden Anden über die Salzseen von Uyuni bis zum Amazonas und den kulturellen Schätzen der indigenen Völker – das Land könnte zu einem attraktiven Ziel für internationale Besucher werden.


Ich habe in Bolivien während mehrerer Jahre Gruppenreisen mit Touristen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich organisiert. Erst die zunehmende politische Unsicherheit zwang mich, meine Aktivitäten nach Panama zu verlegen. Ein Verlust – denn Bolivien besitzt touristisch weit mehr Vielfalt als eben Panama.

Hier sehe ich auch meine persönliche Aufgabe: Menschen auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die sich in Bolivien bieten – und sie zu ermutigen, ihre Projekte und Visionen so zu gestalten, dass sie nicht nur zur eigenen Entwicklung, sondern auch zur wirtschaftlichen Erneuerung des Landes beitragen.


Im Zuge der geopolitischen Umwälzungen in den USA und Europa suchen viele Menschen nach stabilen, sicheren Lebensräumen. Länder wie Costa Rica, Panama oder Paraguay haben sich bereits als attraktive Alternativen etabliert. Bolivien könnte – bei entsprechender politischer und wirtschaftlicher Stabilität – ebenfalls in diese Liga aufsteigen.


Voraussetzung dafür ist allerdings ein starkes kollektives Bewusstsein für Frieden, Rechtssicherheit und wirtschaftliche Verlässlichkeit. Nur so kann das Land Vertrauen im Ausland aufbauen und Investoren wie Auswanderer gleichermaßen anziehen.

Rodrigo Paz Pereira steht vor der Aufgabe, klare Führungsstärke zu zeigen, Vertrauen wiederherzustellen und Bolivien als verlässlichen Partner in der internationalen Gemeinschaft zu positionieren.


Bolivien steht wieder einmal an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte. Die Wahl von Rodrigo Paz Pereira bietet die Möglichkeit, das Land auf einen neuen Kurs zu bringen – hin zu Stabilität, wirtschaftlicher Vielfalt und gesellschaftlicher Öffnung.

Der Weg dorthin wird schwierig sein. Doch mit konsequenter Führung, Investitionen in neue Sektoren wie Tourismus und nachhaltige Energie, sowie einer Politik, die Einheit statt Spaltung anstrebt, besteht eine echte Chance auf Erneuerung.

Möge es Paz Pereira und seinem Team gelingen, Bolivien auf einen erfolgreichen Kurs zu führen. Denn diese Chance könnte – so meine Überzeugung – für viele Jahre die letzte sein.

Kommentare


Archive
Search By Tags
Follow Us
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square
bottom of page